Kapitalmarktrück- und Ausblick
Der Start in das Jahr 2022 verlief turbulent, ereignisreich und sehr herausfordernd. Der Weltaktienmarkt, gemessen am MSCI World Index, verlor in der Spitze knapp -12 % gemessen vom Allzeithoch und liegt seit Jahresbeginn (Stand 31.03.2022) -5,5% unter Wasser. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Märkten und Sektoren sind durchaus beträchtlich. Der DAX und ebenso die Technologiebörse Nasdaq verloren zwischenzeitlich rund -20 %. Demgegenüber konnten Investments in den Energiesektor oder rohstoffexportierende Länder, abgesehen von Russland, teilweise bis zur +40% zulegen und der Goldpreis immerhin um +10%.
Regelrecht verprügelt (-8%) wurden sowohl Besitzer vermeintlich sicherer, langlaufender deutscher Euro- als auch amerikanischer Dollar-Staatsanleihen. Sie müssen mittlerweile den größten anhaltenden Verlust seit 20 Jahren hinnehmen (-15% seit August 2020). Schuld ist die anhaltend hohe Inflation, welche die Notenbanken nun dazu zwingt die Zinsen schneller zu Erhöhen und die Bilanzsumme stärker zu reduzieren als noch vor einem Jahr, unter der damaligen Annahme, die hohe Inflation sei nur vorübergehend, verkündet. Inwiefern die Zinssteigerungen die Inflation zügeln können, wenn dadurch zeitgleich die Wirtschaft gebremst wird, bleibt jedoch fraglich. Zum Ende des ersten Quartals drehte die Zinskurve in den USA ins Negative, in der Vergangenheit ein zuverlässiger Indikator für eine Rezession in den kommenden 6-12 Monaten.
Dass sich die Europäische Zentralbank bisher eher zögerlich zu Zinsanhebungen äußert ist nachvollziehbar, da über die Hälfte der aktuellen Inflation in der Eurozone auf die Angebotsknappheit bzw. höhere Energiekosten zurückzuführen ist (Kerninflationsrate ohne Energie im Euroraum 3,0% vs. 7,5% Gesamtinflationsrate) und damit außerhalb des Wirkungsbereiches der EZB liegt. Das rasante Vorgehen der Amerikanischen im Vergleich zur Europäischen Zentralbank zeigt sich auch am Wechselkurs. So wertete der Euro seit einem Jahr stetig ab, was immerhin für in den USA investiere Euro Anleger die Verluste schmälern konnte.
Eine Ausweitung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine auf andere Länder preist der Kapitalmarkt nicht ein. Vielmehr leiden die europäischen Indizes unter den gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen bzw. der anhaltenden Störung der Lieferketten, die durch Chinas Zero-Covid Strategie aktuell sogar noch verschärft wird.
Strategierück- und Ausblick
Allen schlechten Nachrichten zum Trotz bleibt die Investition in Eigenkapital das Mittel der Wahl, um langfristig eine Rendite oberhalb der Inflationsrate zu erzielen. Sicher auftretende, jedoch nicht prognostizierbare kurzfristige Schwankungen müssen dabei nun einmal in Kauf genommen werden. Es hat sich allerdings auch wieder gezeigt, dass Edelmetalle in Krisenzeiten gegenläufig zum Aktienmarkt reagieren und somit eine sinnvolle Portfoliobeimischung darstellen. Die Kombinationen von produktiven und antizyklischen Anlageklassen bleibt daher fester Bestandteil unserer Vermögensverwaltungsstrategien.
Ende Januar wurde der Beta Anteil unserer Strategien, also derjenige Teil, der den globalen Aktienmarkt abbilden soll, von einer Mischung aktiver Aktienfonds mit unterschiedlicher strategischer Ausrichtung auf ein regelbasiertes, systematisches Multifaktorportfolio, welches über ETFs dargestellt wird, umgestellt. Gegenüber einem marktkapitalisierungsgewichteten Weltaktienindex hat das Multifaktorportfolio den entscheidenden Vorteil dynamisch auf Trendwechsel zu reagieren und damit langfristig, besonders in historisch schwierigen Marktphasen, eine Überrendite erzielen zu können.
Leider mussten wir uns von Pfandbriefen als Liquiditätsalternative trennen, die wegen des starken Zinsanstieges in der Eurozone – erstmals seit 2014 rentieren zweijährige deutsche Staatsanleihen wieder positiv – unter Druck gekommen sind. Die Liquiditätsreserve besteht nun ausschließlich aus Geldmarktinstrumenten und kurz laufenden, inflationsbesicherten Staatsanleihen. Die Korrektur des Weltaktienmarktes um ca. -12% zwischen Anfang Januar und Mitte Februar hat unsere Schwelle jedoch noch nicht gerissen, an der ein Teil der Liquiditätsreserve taktisch investiert würde.
Gegenüber der Benchmark, und damit unsere Alpha Ideen, ist die Strategie übergewichtet in Asien, bei kleineren und mittleren Unternehmen, sowie in den Sektoren Gesundheitswesen, erneuerbare Energien und Rohstoffe.